Warum sprechen wir uns gegen Schulschließung und Sparpaket aus?

Die Schließung der Hauptschule am Klostergarten reißt ein Loch in soziale Strukturen in der Innenstadt
Mit ihrem Ganztagesbetrieb ist die Schule auch Anlaufstelle in der Freizeit, mangels Alternativen in der Innenstadt. Auf diese Weise konnte erfolgreich ein sozialer Brennpunkt entschärft werden, wofür es viel Anerkennung gab. Eine Realschule hat eine völlig andere Klientel und kann diese Funktion nicht übernehmen.

Sie trifft gerade die sozial Schwächsten in der Gesellschaft
Hier geht es auch um Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen, in denen Fälle von Verwahrlosung, Alkoholprobleme oder gar sexueller Missbrauch nicht selten sind und denen die Schule oft den einzig verlässlichen Bezugspunkt in ihrem direkten Lebensumfeld bietet. Hierzu bedarf es kleiner Klassen und individueller Betreuung.

Die pädagogische Konzeption der Hauptschule am Klostergarten ist einzigartig und erfolgreich
Viele innovative Konzepte wurden hier zuerst umgesetzt oder sogar entwickelt, so z.B. der Ganztagesbetrieb, die Schulsozialarbeit, die Kleinklasse, die Kooperationsklasse mit der Berufsschule, oder das Konzept der Schulpaten. Die Schließung der Schule wird dieses Netzwerk auseinander reißen.

Die Schließung der Hauptschule wird vermutlich an diesem Standort nicht die einzige bleiben
Es ist nicht gesagt, dass die Realschule Eschenried mit dem Raumangebot in der HS Klostergarten ausreichend versorgt ist. Folge wäre dann vermutlich die Schließung der benachbarten Grundschule, zumal die Schließung einer Innenstadtgrundschule im Sparpaket ja bereits vorgesehen ist.

Damit beraubt sich Sindelfingen eines wesentlichen Handlungsspielraums
Sollte die nächste Landesregierung das WRS-Konzept kippen und sich z.B. dem Trend zum sechsjährigen gemeinsamen Lernen anschließen, wäre in Sindelfingen eine sehr ungünstige Standortverteilung gegeben, da die meisten vorhandenen Grundschulen dann nicht die Möglichkeit hätten, sich mit einer benachbarten weiterführenden Schule zusammen zu schließen.

Die demografische Entwicklung geht weiter
Man muss kein Hellseher sein, um der Hauptschule weiter sinkende Schülerzahlen vorauszusagen. Und dann könnte Sindelfingen in einigen Jahren vor der Situation stehen, eine weitere Hauptschule in der Kernstadt schließen zu müssen. Was zur Folge hätte, dass die dann einzige verbleibende Einrichtung am Stadtrand wäre, im Eichholz oder auf dem Goldberg.

Eine Entscheidung dieser Tragweite kann nicht hopplahopp getroffen werden
Von der Ankündigung der Schulschließung bis zum Beschluss des Gemeinderats ist gerade mal eine Woche vergangen. In dieser Zeit konnten sich weder die Gemeinderäte oder die Öffentlichkeit vernünftig informieren, noch wurde mit den Betroffenen in angemessenen Umfang gesprochen. Auch zuständige Gremien (Schulkonferenz, Personalrat) wurden nicht angehört. Eine juristische Prüfung dieses Umstands war zwangsläufig die Folge.

Der vermeintliche Zeitdruck bei dieser Entscheidung war nicht real gegeben
Die Stadtverwaltung hat den Beschluss über die HS am Klostergarten aus dem Gesamtpaket der Sparmaßnahmen herausgebrochen und separat durchgesetzt, um einen angeblich letzten Antragstermin für die Werkrealschule am 30.11.2009 einhalten zu können. Weder stimmte diese Terminangabe, noch gab es einen zwingenden Grund, den Antrag überhaupt in diesem Jahr zu stellen.

Was kostet der Umzug der Realschule Eschenried eigentlich?
Laut Sparpaket sollen sich jährliche Einsparungen von 411.000 € ergeben, wenn die RS Eschenried in den Klostergarten umzieht. Aber: was kostet dieser Umzug eigentlich? Welche Investitionen in der Stadtmitte sind ggf. erforderlich? Was kostet der Abriss der alten Gebäude? Und lässt sich der angestrebte Verkaufserlös für das Gelände überhaupt erzielen? Alles Spekulation!

Stehen an den anderen Hauptschulen genug Räumlichkeiten zur Verfügung?
Es zeichnet sich ab, das zumindestens am Goldberg die Kapazitäten zur Aufnahme der Klostergarten-Hauptschüler nicht ausreichen. Das bedeutet teure Anbauten und / oder deutlich größere Klassen.

Das Gesamtsparpaket der Verwaltung bröckelt nach und nach auseinander
Sozial unausgewogen, mit fehlerhaftem Zahlenmaterial unterlegt und inhaltlich fragwürdig - nach und nach brechen die Bausteine aus dem Sparpaket heraus und haben jetzt schon zu einer Absage der beschließenden Gemeinderatssitzung geführt. Wir verlangen, dass dieses Nachdenken auch beim separat gefassten Beschluss der Schließung der Hauptschule am Klostergarten einsetzt. Wir wollen am Ende nicht die Dummen sein!

Sehen Sie dazu auch unsere Meinung zum Gesamtsparpaket!